Balloon

Audiointerfaces, Messmikrofone, Kalibratoren für Messungen im Beschallungsbereich

Oft werde ich gefragt, welche Audiointerfaces, Messmikrofone und Kalibratoren für das Einmessen von Beschallungsanlagen geeignet sind und mit den gängigen Mess-Softwaren gut zusammenarbeiten. Einige konkrete Empfehlungen zu diesem Thema.

Zur Beantwortung der Frage nach dem passenden Messequipment könnte man ganze Bücher verfassen. Es gilt dabei eine Vielzahl von Kriterien zu berücksichtigen. Einige davon werden z.B. an meinen Schulungen erörtert ;-)

Dieser kurze Artikel kann nicht auf die detaillierten technischen Fragestellungen eingehen, soll aber kurz einige konkrete Empfehlungen aussprechen, die sich über die Jahre hinweg nach meiner persönlichen Erfahrung und den Beobachtungen von Kollegen und Schulungsteilnehmern als sinnvoll erwiesen haben.

Die Produktevielfalt ist inzwischen so gross geworden und verändert sich praktisch monatlich, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Ich nehme gerne Hinweise auf weiteres Equipment entgegen und werde den Artikel gegebenenfalls erweitern (dies ist allerdings keine Werbeseite für Hersteller!). Ich freue mich auch auf sonstige Kommentare, Fragen und Anmerkungen: info@zehner.ch

Audiointerfaces

Wichtige Unterscheidungsmerkmale:

  • Anzahl Mikrofonvorverstärker und Eingangskanäle
  • Linearität und Konstanz, besonders auch bei unterschiedlichen Eingangsverstärkungen
  • Signal-Rausch-Abstand
  • Schnittstellenformat (USB, Firewire, Ethernet etc.)

Als einfache Einstiegsvarianten findet man in der Preisklasse zwischen ca. 120 und 200 Euro inzwischen viele Hersteller, welche 2-kanalige Audio-Interfaces anbieten, die meist über die USB-Schnittstelle angebunden werden. In den letzten Jahren haben mehrere hundert Personen an meinen Seminaren zum Einmessen von Anlagen teilgenommen und dabei die unterschiedlichsten Marken und Modelle eingesetzt. Mit ganz wenigen Ausnahmen, haben diese unterschiedlichen Interfaces alle gut funktioniert. Als konkrete Beispiele günstiger Geräte, welche oft verwendet wurden, seien hier M-Audio Fast Track Pro und Presonus Audiobox USB genannt.

Zusätzliche Funktionalität und Qualität kostet natürlich etwas mehr. Hier stellt sich vor allem auch die Frage, ob man mehrkanalig messen möchte und entsprechend mehr Eingänge benötigt. Je nachdem, ob man das Interface auch für weitere Aufgaben (z.B. hochwertige Aufnahmen, Mehrkanalwiedergabe, DSP-Nachbearbeitung, Submix- und Matrix-Funktionalitäten etc.) einsetzen möchte, kann das Anforderungsprofil sehr unterschiedlich ausfallen. In der Preisklasse um ca. 500 bis 1000 Euro kriegt man z.B. von RME hochwertige Modelle mit vielen Austattungsmerkmalen und USB- oder Firewire-Anbindung.

Aubion

Einen Spezialfall stellt das kürzlich vorgestellte Aubion X.8 von DSPECIALISTS und AFMG dar (Bild): Das Interface zum Preis von 1400 Euro bietet 8 Eingänge und wird als derzeit einziges Modell auf dem Markt über eine Ethernet-Schnittstelle an den Computer angebunden und lässt sich somit auch in herkömmliche Netzwerke integrieren. Damit werden Anwendungen möglich, die bisher ausgeschlossen waren (z.B. alleine schon aufgrund der beschränkten Länge von USB- und Firewire-Verbindungen). Obschon das X.8 mit jeglicher Software zusammenarbeitet, ist es optimal auf die Mess-Systeme EASERA und SysTune aus dem Hause AFMG abgestimmt. So werden z.B. die Gain-Einstellungen des Interfaces direkt an die Software übertragen, wodurch gewährleistet ist, dass das Sytem in sich elektrisch stets kalibriert bleibt.

Im Zusammenhang mit EASERA und SysTune hat AFMG in den vergangenen Jahren verschiedene Interfaces intensiv getestet und die Ergebnisse in einer Datenbank zusammengetragen. Vor einer Neuanschaffung lohnt sich ein Augenschein.

Messmikrofone

Wichtige Unterscheidungsmerkmale:

  • Linearität (besonders auch im Hinblick auf Serienstreuung)
  • Konstanz der (omnidirektionalen) Richtwirkung
  • Grenzschalldruck (Pegelfestigkeit)
  • Eigenrauschen (für Grundgeräuschpegel-Messungen)
  • Langzeitstabilität

Der Preisbereich der Messmikrofone reicht von ganz günstig bis sehr teuer. Selbst für ernsthafte Messanwendungen in freier Wildbahn fallen teure Labormodelle in der Regel ausser Betracht. Wie weit man auf der Preisskala nach unten rutschen will, hängt vom Qualitätsanspruch und natürlich dem Budget ab. Sehr günstige Messmikrofone unter 100 Euro weisen in der Regel eine erhebliche Serienstreuung und teilweise auch andere Ungereimtheiten (z.B. nicht-rotationssymmetrische Richtcharakteristik!) auf. Für einfache Aufgaben, wie beispielsweise das Finden von Rückkopplungsfrequenzen oder zum Einstellen einer Verzögerungs-Line (Delay) sind auch solche Mikrofone genügend. Für "ernsthaftere" Einmessungen von Anlagen, sehe ich deren Anwendung eher kritisch.

Als verhältnismässig preiswertes Modell mit einem sehr guten Preis-/Leistungs-Verhältnis hat sich das MM 1 von Beyerdynamic bewährt. Zwar treten auch in dieser Preisklasse (150-200 Euro) noch recht grosse Serienschwankungen auf; dennoch dürften sie aber bereits erheblich geringer ausfallen als am untersten Preisende. Beim MM 1 wird ausserdem jedem Mikrofon ein individueller Frequenzschrieb mitgeliefert; in dieser Preisklasse ein eher ungewöhnlicher Service, der es zum Beispiel erlaubt, für Mehrkanalmessungen eine Vorselektion zu treffen und möglichst ähnliche Mikrofone zu erwerben.

Wer es gerne etwas teurer, edler und qualitativ hochwertiger haben möchte, wird beim der US-amerikanischen Hersteller Earthworks fündig, der verschiedene hochwertige Messmikrofone im Angebot hat. Für "kritischere" Anwendungen, wie die Einmessung von festinstallierten Anlagen oder professionelle Sprachverständlichkeits- und Raumakustikmessungen, darf man sich durchaus in dieser Preisklasse bewegen.

Kalibratoren

Um das Mess-System auf Schallpegelmessungen hin zu kalibrieren, ist ein Mikrofonkalibrator erforderlich. Hier gibt es sehr kostspielige Klasse-1-Geräte mit integrierten Regelkreisen, welche schnell einmal viele Hundert, wenn nicht gar viele Tausend Euro kosten. Fündig wird man bei Herstellern wie Brüel&Kjaer, Cirrus, CESVA oder Norsonic.

Eine preisgünstige Alternative stellt der einfache Klasse 2 Kalibrator Center 326 dar, der bei ca. 200 Euro liegt und im deutschsprachigen Raum von verschiedenen Lieferanten angeboten wird. Wenn man nicht gerade ein Gutachten verfassen muss oder einen Gerichtsprozess gewinnen will, ist dieses Modell für viele Anwendungen ausreichend.

© Markus Zehner 2012

Zurück zum Servicebereich


Markus Zehner Tel.: +41 79 208 53 88
E-Mail:info@zehner.ch - Website: www.zehner.ch
© 2012 - Letzte Änderung: 21. Januar 2012

W3Validation